Der ehrbare Antisemitismus (Antisemitismus III)

Der ehrbare Antisemitismus; Erstmals erschienen in der Wochenzeitung Die Zeit, Jean Amery, Juli 1969

Der folgende Text vom Auschwitzüberlebenden Jean Amery erschien erstmals am 25.7.1969 in der Wochenzeitung Die Zeit. Die Aktualität dieses wichtigen Textes ist ungebrochen. Seinen Inhalt sich anzueignen, kann nicht oft genug empfohlen werden.

De Gaulle fiel. Manch einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, dass in New York dem französischen UNO- Delegierten Armand Bérard nichts besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut „Nouvel Observateur“ vom 5.Mai): „C’est l’or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hieß: „… er reißt in den Ring.“

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Elemente des Antisemitismus – Grenzen der Aufklärung (Antisemitismus II)

Elemente des Antisemitismus – Grenzen der Aufklärung; Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente; Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, Erscheinungsjahr 1944

1. Der Antisemitismus heute gilt den einen als Schicksalsfrage der Menschheit, den anderen als bloßer Vorwand. Für die Faschisten sind die Juden nicht eine Minorität, sondern die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches; von ihrer Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen. Dem entgegengesetzt ist die These, die Juden, frei von nationalen oder Rassemerkmalen, bildeten eine Gruppe durch religiöse Meinung und Tradition, durch nichts sonst. Jüdische Kennzeichen bezögen sich auf Ostjuden, jedenfalls bloß auf noch nicht ganz Assimilierte. Beide Doktrinen sind wahr und falsch zugleich.

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