16.06.2010 – Lesung mit Marc Thörner „Afgahanistancode“


Marc Thörner berichtet über seine Erfahrungen am Hindukusch- Innenansichten aus dem „Kampf gegen den Terror“ Wofür kämpft die Bundeswehr in Afghanistan? Warum scheitert das „Nation Building“? Wo sind die Wurzeln des „neuen“ zivilmilitärischen Konzepts der Provinzwiederaufbauteams (PRTs) zu suchen? Kann die Zusammenarbeit mit früheren Mudschahedin- Generälen und Warlords die Region befrieden? Trägt die deutsche Polizei mit der Ausbildung von PolizistInnen zur Demokratisierung der afghanischen Gesellschaft bei? In dieser Informationsveranstaltung werden die offiziellen Antworten auf diese Fragen hinterfragt…

Mittwoch, 16. Juni 2010
Beginn: 19.00
Eintritt: Spende
Komplex Schwerin, Seminarraum 2.OG, Pfaffenstr. 04

[Personen, die durch neonazistische, antisemitische und/ oder rassistische Aktivitäten aufgefallen, bzw. bekannt sind, als auch Mitarbeiter_innen von staatlichen Überwachungsbehörden (Polizei, MAEX, VS, etc., pp.) sind explizit von der Veranstaltung ausgeschlossen! Wir behalten uns das Hausrecht vor!]

Marc Thörner
Afghanistan- Code
Reportagen über Krieg, Fundamentalismus und Demokratie

Aufbau der Demokratie und Kampf gegen den Terror, den islamischen Extremismus, so lautet der Anspruch, mit dem Deutschland und andere westlich Staaten ihr Engagement in Afghanistan begründen. Doch vor Ort, auf den groszen Basen, in den Wiederaufbauzentren, bei den Militäreinheiten zeigt sich: das zivile Element ist dem militärischen Konzept nur zugeordnet, es geht um Aufstandsbekämpfung.

Stolz verweisen US- Offiziere in Kabul auf den Erfolg dieser neuartigen Methode im Irak- während man bei der französischen Armee mit nachsichtigem Lächeln reklamiert, die Aufstandsbekämpfung erfunden zu haben: vor hundert Jahren, in den nordafrikanischen Kolonien.

Für den Autor beginnt eine abenteuerliche Spurensuche: Auf Fahrten im pakistanisch- afghanischen Grenzgebiet, in Madrassahs, in abgelegenen Forts, bei Gesprächen mit Mullahs und Militärs, bei Diskussionen mit liberalen, islamischen Gelehrten zeichnet sich immer deutlicher ab: Der islamische Extremismus, zu dessen Bekämpfung ISAF- Truppen in Afghanistan stationiert sind, hat sich erst durch die Zusammenarbeit von Aufstandsbekämpfern und konservativen Autoritäten entwickelt. Und diese Zusammenarbeit verhindert, dasz sich islamische Gesellschaften demokratisieren und sich der ausländischen Dominanz entziehen.

Marc Thörner, Jahrgang 1964, Studium der Gechichte und Isamwissenschaften, lebt in Hamburg. Seit 1994 freier Journalist, überwiegend für ARD- Rundfunkanstalten. Berichtet aus dem Maghreb, den Golfstaaten, dem Irak, Pakistan und Afghanistan. Buchveröffentlichungen u.a.: Von Saddam City zu Sadr City: Die irakischen Schiiten, Göttingen 2005. 2009 erhielt Marc Thörner den Otto- Brenner- Preis für kritischen Journalismus.